Opel Rettung - Interessante Fragen

Update 2010: GM behält Opel. Werk in Amsterdam wird geschlossen. GM schießt mindestens 1.000.000.000 US$ (Steuergelder der amerikanischen Bürger) zu. Die Beteiligung der europäischen Regierungen wird noch geprüft. Mindestens 10.000 Beschäftigte verlieren ihren Job.
Update 14. September 2009: Detaills zur Opel-"Rettung" werden bekannt. Keine Jobgarantie in Deutschland. Einstieg von Magna mit minimalem Eigenkapital. Sberbank erhält mehr als 30% der Opel-Anteile für weniger als 200 Mio Euro. Der deutsche Staat gibt nicht nur Garantien, sondern finanziert Opel mit 4,5-5 Mrd Euro direkt. Davon sollen 600.000.000 Euro direkt nach Russland fließen und dort die Fabriken des maroden Gaz-Konzerns sanieren, der mit Opel-Know-How Autos produzieren soll.
Rund um die "Rettung" der Automarke Opel ist in den vergangenen Wochen viel passiert. In einem dramatischen "Show-Down" wurde der industrielle Plan des Autozulieferers Magna als der beste (und zuletzt auch einzige) Plan favorisiert.
Die Eckdaten des Planes sind noch nicht genau bekannt, was aber bereits bekannt ist:
- Aus Steuermitteln wird ein Kredit von 1.500.000.000 Euro an Opel gewährt.
- Magna schießt 300 Millionen vor, diese 300 Millionen erhält Magna aus dem Kredit wieder zurück.
- Sechs Monate lang kann Magna sein Geld wieder zurückziehen und die Verhandlungen abbrechen.
- Der Kredit geht in eine Bürgschaft von 4.500.000.000 Euro über.
- Opel muß nach wie vor für die Nutzung von GM Patenten zahlen.
- Für Opel bleibt der US-Markt tabu, für Canada und China bestehen massive Eintrittshürden.
Opel hängt seit Jahrzehnten am Tropf von GM, auf der anderen Seite hat GM bei Opel auch viele Fehler zu verantworten. Wie allerdings die Situation für ein eigenständiges Unternehmen "Opel" ausgesehen hätte, darüber kann man nur spekulieren. Man munkelt von zu hoch angesetzten Nutzungsgebühren für Patente (die jetzt nur geringfügig gesenkt allerdings auch Magna akzeptieren muß, denn sie sind branchenüblich und eine besondere Überhöhung konnte nicht festgestellt werden) und von übertrieben bepreisten Zulieferungen aus dem Konzern - auf der anderen Seite sind auch die Mengenrabatte, die Opel durch den Konzernverbund General Motors und die Einkaufsmacht des weltgrößten Automobilkonzerns und der im Eigentum befindlichen Zulieferer (wie z. B. Delfi) genoss, zu brücksichtigen.
Nun erinnere ich mich an eine Pressemeldung, die gerade mal ein Jahr her ist. Ende April 2008 meldete die Presse (z. B. der WDR):
"General Motors Europa will bis 2012 insgesamt neun Milliarden Euro in seine Automarke Opel investieren. ... Ziel der Millionen-Investitionen ist, den Marktanteil von Opel in Deutschland wieder auf eine "deutlich zweistellige Größe" zu erhöhen, sagte Opel-Vertriebschef Thomas Owsianski in Rüsselsheim. Im ersten Quartal 2008 sank der Marktanteil im GM-Europageschäft mit der Hauptmarke Opel erneut ..."Wie wir alle wissen, kam es nie zu den notwendigen Investitionen in Höhe von 9 Mrd Euro, denn General Motors geriet durch die massive Absatzkrise in den USA und dem Rest der Welt selbst in so erhebliche Schwierigkeiten, daß er heute - 2. Juni 2009 - einige Wochen nach dem zweiten amerikanischen Auto-Giganten Chrysler, Insolvenz anmelden musste. Was wir ebenfalls wissen: Opel hat seit Jahrzehnten niemals nachhaltig Gewinne erwirtschaftet und war permanent auf hohe Transfers von der amerikanischen Mutter angewiesen.
Für mich ist es nun schwierig nachzuvollziehen, wie ein Plan funktionieren soll, der in einem schwächeren Einkaufsverband (Einkaufsmacht von Magna ist ungleich geringer als die des GM Verbundes) und nach einem massiven Nachfrageeinbruch, der im April 2008 noch nicht abzusehen war, mit der Hälfte der Investitionen das gleiche Ziel erreichen soll, das sich GM mit 9.000.000.000 Euro an Investitionen in einem Boom Jahr mit Rekordabsätzen von Autos weltweit gesteckt hatte?
Die Daten von Magna nähren massive Zweifel am Partner für Opel. Bei einem Umsatz von 24.000.000.000 US$ erwirtschaftete das Unternehmen nur 70 Mio US$ an Gewinn. Das bedeutet, daß die 4.500.000.000 Euro an Kredit dem 64,2 fachen des Magna-Gewinns entsprechen. Doch selbst wenn man den freien Cash-flow von Magna heranzieht, der sich immerhin auf rund 220 Mio US$ beläuft, entspricht die Bundebürgschaft etwa dem freien Cash Flow Magnas von 25 Jahren.
So sehr man den Opel-Arbeitnehmern auch das Beste wünschen muß: ich befürchte, daß es fast sicher ist, daß Opel das Schicksal von BENQ-SIEMENS Mobiltelefonen teilt und nach 1-2 Jahren die Patente in Moskau, unser Steuergeld in Canada und die Werksruinen und Arbeitslosen trotzdem bei uns sein werden.
- Tobias Heinz's blog
- Login or register to post comments